Zahnärztliche Professionsentwicklung unter den Rahmenbedingungen eines Qualitätszirkels am Beispiel der Verbesserung der Patientensicherheit

Dr. Tilman Weindler M.A.

Mit der vorliegenden Arbeit wird geprüft, ob die Professionalisierung des zahnärztlichen Berufsstandes durch Zirkelarbeit unterstützt werden kann. Dazu trug der Autor einem Qualitätszirkel, dem er als Moderator angehört, einen übergeordneten Themenbereich, die Patientensicherheit, vor. Die Patientensicherheit wurde gewählt, weil sie sowohl mikro- als auch makropolitische Bedeutung erlangt hat. Der Zirkel bestimmte demokratisch aus dem Themenbereich das Projekt gesicherte Anamneseerhebung.
Es wurde eine Ist-Analyse durchgeführt, die allgemein einen verbesserungswürdigen Umgang mit der Anamneseerhebung in den Praxen aufzeigte. Es schloss sich ein zielgerichteter, erfahrungsbezogener, kontinuierlicher und systematischer Diskurs an. In drei weiteren Zirkelsitzungen wurde ein gesicherter anamnestischer Prozess erarbeitet, der in allen Praxen angewandt wird. Die Anwendung des Prozesses wurde evaluiert.
Die Arbeit des Zirkels wurde auch daraufhin untersucht, ob sich das Verhalten der Mitglieder hinsichtlich ihrer Arbeit im Zirkel veränderte. Es zeigt sich, dass sich das interkollegiale Vertrauensverhältnis in erheblichem Maße weiterentwickelte. Der therapeutische Misserfolg wurde im Verlauf des Diskurses immer stärker thematisiert. Fallbesprechungen gab es im Deggendorfer Qualitätszikel in der Form von Planungsfällen schon immer. Der Diskurs endete vorläufig mit dem Beschluss, Fallbesprechungen von Misserfolgen zum festen Bestandteil zunkünftiger Zirkeltreffen zu machen.
In einer vergleichenden Selbsteinschätzung wurde gezeigt, dass sowohl das Selbstvertrauen als auch der Wille gestiegen sind, komplexe und anspruchsvolle Themen zu bearbeiten. Die für die nähere Zukunft bestimmten Themen greifen den Gedanken der Patientensicherheit erneut auf und stellen dadurch einen sozialen Bezug her.
Im Deggendorfer Qualitätszirkel konnte gezeigt werden, das es der zahnärztlichen Profession durch die Akzeptanz der "Unsicherheit des ärztlichen Eingriffs" gelingt, sich weiter zu professionalisieren. Professionalität ist kein Zustand, sondern ein Prozess.