Die Sozialklischees des Zahnarztes im Spielfilm

Exemplarische Filmanalyse "The Dentist" von Brian Yuzna (1996)

Dr. Harald Hildenbrand

Die vorliegende Masterarbeit beschäftigte sich eingehend mit den Klischees, die über Zahnärzte im öffentlichen Diskurs vorhanden sind, und wie diese Eingang in die Dramaturgie eines Spielfilmes finden. Sie versuchte einen Bogen von der Alltagsrealität des Zahnarztes zur fiktiven Welt des Filmzahnarztes zu schlagen. Es wurden am B-Movie "The Dentist" von Brian Yuzna exemplarisch typische Strategien und Muster der Klischeevermittlung im Film herausgearbeitet und in einen größeren Zusammenhang mit anderen Filmproduktionen gestellt, die Zahnärzte zu Wort oder zur Tat kommen lassen. Dabei wurde gefunden, dass die meisten in der Einleitung angesprochenen Kategorien im Filmtext wieder auftauchen. 
Unter den Gesichtspunkten der latenten Gewaltbereitschaft, der gestörten Persönlichkeit und der Frage des materiellen Reichtums der Filmzahnärzte stößt man immer wieder auf die gleichen stereotypen Darstellungsweisen. Sicherlich muss man bei einer Filmanalyse die Freiheiten des Produzenten in Rechnung stellen und die Frage sei erlaubt, ob das, was die Filmanalyse an Erkenntnissen bringt, auch dem entspricht, was die Macher des Streifens bezwecken wollten.

Bei "The Dentist" geht es sicher in aller erster Linie um die Erzeugung von "Angstlust", Suspense und den Genuss von Horror, und selbstverständlich auch des gedickt eingeflochtenen schwarzen Humors. Dass ausgerechnet ein Zahnarzt den Horror auf sich vereint, kann nur damit zusammenhängen, dass Zahnärzte heute der noch eine Berufsgruppe verkörpern, die - wenn auch in abnehmenden Maße mit Angst und Schrecken belegt ist. Zahnärzte haben einen augenscheinlich ungewöhnlichen Auftritt, auch wenn das zunächst nicht immer gleich erkennbar ist. Der Protagonist des Filmes "The Dentist" in seiner Darstellungsweise ein völlig überzeichnetes und unrealistisches, streckenweise makabres Abbild der Profession und ihrer vermeintlichen Qualitäten. Schlagworte Perfektion und Leistungsmotivation, mit denen sich die Zahnmedizinerbranche gerne identifiziert, haben in der Erzählung einen beachtlichen Stellenwert, wenn man etwas genauer hinschaut. 

Ebenso sind Thematisierung und Visualisierung von Sexualität im Handlungsstrang augenfällig. Sie gehen parallel mit einer generellen Enttabuisierung der Sexualität in der Gesellschaft und damit auch im filmischen Raum. Sie hat im alltäglichen zahnärztlichen Kontext keine Entsprechungen, wird zumindest nicht offen diskutiert, allerhöchstens phantasiert. 

Das Hauptmerkmal der latenten Gewaltbereitschaft (aus der Kategorie "Macht") beziehungsweise des unglaublichen Sadismus des Protagonisten Dr. Finestone ist der Konvention und der Machart eines Horrorfilms geschuldet. Es steht aber trotzdem immer noch stellvertretend für eine Profession, die sich dieses Vorurteils Zug um Zug [nur dadurch entledigen kann, dass neuere und schmerzfreiere Verfahren angeboten werden, und über den Aufbau eines gesunden Vertrauensverhältnisses die Bevölkerung den Zahnarzt in ein positiveres Licht stellt. Der informierte und mündige und dadurch angstfreie Patient als Partner des Zahnarztes ist zwar leider immer noch nicht überall Realität - aber wir arbeiten daran!