Vergleich der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität zur Basisuntersuchung und 3 Monate nach nicht-chirurgischer Parodontaltherapie

Dr. Marco Wackernagel

Die Erfassung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität als Ergänzung zu klinischen Morbiditätsfaktoren und als Beschreibung für die psychosoziale Komponente oraler Erkrankungen wurde bereits in verschiedenen Teilgebieten der Zahnmedizin angewandt. Es gibt Hinweise, dass parodontale Erkrankungen, wie die chronische Parodontitis, einen Einfluss auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität haben. Mit einem im Masterstudiengang „Integrated Practice in Dentistry“ entwickelten klinischen Pfad zur Diagnostik und Therapie parodontaler Erkrankung werden Patienten mit chronischer Parodontitis rekrutiert und nichtchirurgisch parodontologisch behandelt. Durch nichtchirurgische Parodontaltherapie können parodontologische Variablen verbessert werden. Es ist dadurch zu erwarten, dass sich damit auch die subjektive Einschätzung der Patienten zur Mundgesundheitssituation verändert, bzw. die mundgesundheitsbezogende Lebensqualität verbessert.

In die Untersuchung wurden von September 2008 bis Januar 2009 30 Patienten, davon 15 Frauen und 15 Männer, im Alter von 34 bis 78 Jahren (Median: 59,5 Jahre) mit leichter und moderater chronischer Parodontitis einbezogen. Nach umfassender Aufklärung der Patienten über Ätiologie, Folgen und Therapiemöglichkeiten parodontaler Erkrankungen und ihrer Einwilligung sowie Behandlungsbereitschaft erfolgte die parodontale Vorbehandlung und die nichtchirurgische Parodontaltherapie. Die Erhebung der parodontologischen Variablen Attachmentlevel (AL), Sondierungstiefe (ST), Bluten auf Sondieren (BOP) und Plaqueindex nach Quigley und Hein (PI)  und die Beantwortung des OHIP-Fragebogens wurden jeweils zur Basisuntersuchung und 3 Monate nach nichtchirurgischer Parodontaltherapie durchgeführt.

In der Auswertung der Ergebnisse wurde mit dem Wilcoxon-Test für abhängige Stichproben überprüft, ob es zwischen den Merkmalen der beiden Untersuchungszeitpunkte statistisch signifikante Unterschiede gab. Mit der Rang-Korrelation nach Spearman wurde nach einem Zusammenhang unter den parodontologischen Variablen und den Subskalen des OHIP-Fragebogens sowie zwischen den Veränderungen der parodontologischen Variablen und des OHIP, bzw. der Subskalen, gesucht. Ergänzend dazu wurde in einer Kreuztabelle mit dem Chi-Quadrat-Test geprüft, ob zwischen geringen, mittleren und hohen Veränderungen der parodontologischen Variablen Sondierungstiefe und Bluten auf Sondieren statistisch signifikante Zusammenhänge mit den Änderungen des OHIP, bzw. den Änderungen seiner Subskalen, bestehen. Folgende Ergebnisse wurden erzielt:
Der Vergleich der Mittelwerte der parodontologischen Variablen bei zwei Untersuchungszeitpunkten ergab mittels Wilcoxon-Test statistisch signifikante Unterschiede bei Attachmentlevel (4,6 ± 1,2 vs. 4,3 ± 1,2 mm, p=0,001), Sondierungstiefe (3,6 ± 0,7 vs. 3,1 ± 0,5 mm; p<0,001) und Bluten auf Son¬dieren(70 ±17,9 vs. 50 ± 19,3%; p=<0,001). Alle 3 Variablen zeigen eine Reduzierung. Die Rang-Korrelation nach Spearman der Variablen ST – AL (0,692 p<0,001 vs. 0,700 p<0,001) und PI – AL (0,470 p=0,009 vs. 0,485 p=0,007) weisen zu beiden Untersuchungszeitpunkten und PI – ST (0,550 p=0,002) nur zur Basisuntersuchung statistisch signifikante Assoziationen auf.

Das OHIP (10,1 ± 10,8 vs. 3,8 ± 3,9; p<0,001) zeigt beim Mittelwertvergleich ein statistisch signifikant verbessertes Ergebnis. Nach 3 Monaten findet sich eine deutliche Abnahme des OHIP vor allem bei Patienten mit hohen Werten. Die Rang-Korrelation nach Spearman der Variablen AL – OHIP (0,363 p=0,049) und ST – OHIP (0,461 p=0,010) deutet zum Zeitpunkt nach 3 Monaten auf einen geringen, aber gerade noch statistisch signifikanten gleichläufigen Zusammenhang.

Beim Vergleich der Mittelwerte der Antwortoptionen bei den Subskalen Funktionelle Einschränkung (1,2 ± 1,9 vs. 0,5 ± 0,9; p=0,007), Schmerzen in der Mundhöhle (2,7 ± 2,4 vs. 1,1 ± 1,1; p<0,001), Psychisches Unbehagen (1,8 ± 1,9 vs. 0,7 ± 1,0; p=0,001), Physische Beeinträchtigung (1,0 ± 1,5 vs. 0,5 ± 0,8; p=0,018), Psychische Beeinträchtigung (1,4 ± 1,9 vs. 0,5 ± 0,7; p=0,003) Soziale Beeinträchtigung (1 ± 1,5 vs. 0,4 ± 0,8; p=0,016) sowie Behinderung, bzw. Einschränkung im Alltag (0,9 ± 1,4 vs, 0,3 ± 0,5; p=0,011) werden zwischen Basisuntersuchung und nach 3 Monaten statistisch signifikante Reduzierungen nachgewiesen. Die größten Probleme gaben die Patienten bei den Subskalen „Schmerzen in der Mundhöhle“ und „Psychisches Unbehagen“ an, die auch gleichzeitig die höchsten Verbesserungen aufweisen. Die wenigsten Schwierigkeiten hatten die Patienten bei den Subskalen „Physische Beeinträchtigung“ und „Behinderung, bzw. Einschränkung im Alltag“. Nach Testung mit der Rang-Korrelation nach Spearman weisen alle Subskalenpaare zur Basisuntersuchung, bzw. zusätzlich die Subskalenpaare PsyU – FE, PsyB – FE, B – FE, PsyU – Schm, PhyB – PsyU, PsyB – PsyU, SozB – PsyU, PsyB – PhyB, SozB – PhyB und SozB – PsyB auch nach 3 Monaten, einen gleichläufigen Zusammenhang und statistisch signifikante Assoziationen auf.

Es wurden keine signifikanten Korrelationen zwischen den Veränderungen der parodontologischen Variablen „Sondierungstiefe“ und „Bluten auf Sondieren“ mit den Gesamtwerten des OHIP sowie seinen Subskalen gefunden. Ergänzend dazu konnte in der Kombination mit den beobachteten Häufigkeiten geringer, mittlerer und hoher Veränderungen zwischen den Variablen Bluten auf Sondieren und des OHIP nach Testung mittels Chi-Quadrat eine statistische Signifikanz von gerade noch (p=0,044) nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass nach nicht-chirurgischer Parodontaltherapie bei Patienten mit leichter und moderater Parodontitis eine signifikant verbesserte mundgesundheitsbezogene Lebensqualität erreicht werden kann.