Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität in Abhängigkeit von der prothetischen Behandlung

Dr. Robert Schwagierek

Totaler Zahnverlust ist ein erhebliches bleibendes Funktionsdefizit, das nicht kausal behandelt werden kann. Die funktionellen Beeinträchtigungen und nicht selten auch die dadurch bedingten psychischen Auswirkungen stellen eine wesentliche Minderung der Lebensqualität der Betroffenen dar. Die notwendige prothetische Rehabilitation ist nach wie vor eine der großen Herausforderungen der Zahnheilkunde, auch noch heute. Mit Hilfe des immer häufigen Einsatzes vom Implantaten in der Zahnmedizin ist eine Verbesserung der Funktionalität des Zahnersatzes zu erreichen. Wissenschaftliche Studien bestätigen die Überlegenheit der Versorgung zahnloser Kiefer mit implantatgestützten Prothesen gegenüber der konventionellen Versorgung. Viele Untersuchungen haben jedoch eine Versorgung nicht immer mit der Verbesserung des Befindens der Patienten korreliert. Es scheint, dass neben den objektivierbaren, prothesenspezifischen Parametern auch sehr individuell geprägte, patientenspezifische Faktoren eine Rolle spielen.

Ziel der Studie war die Erfassung der klinischen und psychosozialen Auswirkungen für Patienten mit totalem Zahnersatz und ein Vergleich zwischen konventioneller und implantatgestützter Therapie des zahnlosen Kiefers. Zusätzlich sollten Rückschlüsse auf die Erhöhung der Sicherheit in der prothetischen Planung bei zahnlosen Patienten hinsichtlich der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität in Abhängigkeit zu Anamnese, notwendigen Aufwand sowie zu sozialen und gesellschaftlichen Faktoren dargestellt werden.

Es wurden 32 Patienten aus der Poliklinik der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe konsekutiv ausgewählt, welche aufgrund der Zahnlosigkeit in einem Kiefer mit einem konventionellen oder mit einem implantatgestützten totalen Zahnersatz (Ballattachment), mindestens ein Jahr zurückliegend, behandelt wurden. Bei allen Patienten wurden mit Hilfe des OHIP-G14-Fragebogens die Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität und mit Hilfe eines selbst erstellten Befragungsbogens Tragegewohnheiten, Veränderungswünsche und bisher aufgetretene Probleme ermittelt. Hinzu kommen die Ergebnisse der Selbsteinschätzung der Patienten an Hand einer visuellen Analogskala (VAS) bezüglich der Zufriedenheit mit dem Zahnersatz. Bei allen Probanden wurde im Anschluss an die Befragung der objektive klinische Befund erhoben.

Hinsichtlich der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität sowie der Zufriedenheit konnte bei den hier untersuchten Patienten kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Versorungsarten festgestellt werden. Es scheint, dass mit beiden prothetischen Konzepten unter Berücksichtigung der Ausgangslage und der zeilführenden Indikationen eine hohe Zufriedenheit und MLQ zu erreichen ist.
Für viele Patienten stellt sich die implantologische Behandlung auf Grund lokaler Befunde oder sozialer Faktoren problematisch realisierbar dar. Häufig sind es auch psychosoziale Faktoren, die den Erfolg bzw. Misserfolg einer prothetischen Therapie wesentlich mitbestimmen.

Die Feststellung des adäquaten Behandlungsbedarfs unter Berücksichtigung mundgesundheitsbezogener Lebensqualität und psychosozialer Aspekte bei der definitiven prothetischen Planung ist deshalb von Wichtigkeit. Der Oral Health impact Profile-Fragebogen stellt für solche Fragestellungen wie auch zu Beurteilung des Behandlungserfolges ein geeignetes Untersuchungsinstrument dar.