Untersuchung zum Transfer von Fotbildungswissen am Beispiel der Gaumennahterweiterung

Dr. Florian Weber

In der vorliegenden Arbeit sollte festgestellt werden, ob und in welchem Umfang die Teilnehmer einer strukturierten Vortragsfortbildung neues Fortbildungswissen in ihre eigenen Praxisabläufe implementieren. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden standardisierte, stufenartig aufgebaute Fragebögen zur Anwendung der Gaumennahterweiterung (GNE) verschickt. 51,3% der 160 angeschriebenen Teilnehmer der KFO Fortbildungsreihe (Leitung: Prof. Sander, Ulm) der Jahrgänge 2002 - 2007 haben geantwortet. 

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Fortbildungsteilnehmer nach der Kursreihe zu 97,6% kieferorthopädisch tätig sind. Vor dem Kurs hatten 37,8% überhaupt keine kieferorthopädische Erfahrung. 72,5% der Teilnehmer versorgen nach dem Kurs mehr kieferorthopädische Patienten. 

30 (37,5%) Teilnehmer haben die Gaumennahterweiterung, deren Umsetzung exemplarisch untersucht wurde, nicht angewendet und gaben häufig als Grund an, dass sie diese Methode für zu invasiv halten, Angst oder Bedenken haben oder einfach noch keine Indikation gesehen haben. 

Von den 50 GNE-Anwendern hatten 15 schon Erfahrung mit der GNE. Diese haben signifikant seltener die „Ulmer-Methode" angewendet als die GNE-Novizen. Die GNE-Novizen sind demnach häufiger dem Dozenten gefolgt, möglicherweise weil alternatives Wissen fehlt und sie die komplexen Abläufe sowieso mit dem Praxispersonal besprechen und organisieren müssen. Außerdem haben die Teilnehmer, deren Praxisprofil chirurgisch/implantologisch ausgerichtet ist, signifikant häufiger die GNE angewendet als die Teilnehmer mit anderen Praxisprofilen. Daraus lässt sich schließen, dass die Umsetzung von komplexen Handlungsabläufen in einer Praxis besser funktioniert, in der schon von der Komplexität her ähnliche Abläufe existieren beziehungsweise der Mut, solche Methoden anzuwenden, da ist. 

Ob die Effektivität von Vortragsfortbildungen sich steigern lässt, ist nicht primäres Ziel dieser Untersuchung gewesen. Jedoch ist zu erwägen, ob durch eine stärkere Handlungsorientierung und durch Kleingruppen, die z.B. einen klinischen Pfad selbst erstellen und Praxisorganisationsprobleme diskutieren, die Umsetzungsrate von einzelnen komplexen Behandlungsabläufen verbessert werden kann.