Das Zweitmeinungsmodell aus Sicht der Patienten

Studie zu einigen ikonographischen Aspekten

Dr. Wolfgang Schug

Die Darstellung von zahnärztlichen Behandlungen war in der niederländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts ein bei Künstlern beliebtes Sujet, das oftmals zur Vermittlung versteckter, allegorischer Bedeutungsinhalte eingesetzt wurde.

Das Ziel der Arbeit war es, durch die Beschreibung ausgewählter Bilder erstens herauszuarbeiten, wie das Ansehen des Berufs in der damaligen Gesellschaft war. Zweitens interessierten uns die Bezüge zur Gegenwart. In der Literatur und der Forschungsgeschichte wurden diese Aspekte allenfalls am Rande abgehandelt. Die Medizinhistoriker richteten ihr Augenmerk zu sehr auf technologische Gesichtspunkte, die Kunsthistoriker hingegen, ohne fundiertes Wissen über die Profession, untersuchten die Bilder in erster Linie nach fachspezifischen Kategorien. Die Bildanalyse von Werken wichtiger Vorläufer der Genremalerei ließ erkennen, dass gewisse oft wiederkehrende ikonographische Motive, wie zum Beispiel das des "Beutelschneidens", bereits bei ihnen ihre erste Ausprägung fanden. Es wurden die kulturellen Gegebenheiten herausgearbeitet, unter denen die Genremalerei entstand.

Es war dabei interessant zu sehen, wie schwierig es ist, eine praktikable Definition des Begriffs "Genremalerei" zu finden. Die Analyse eines exemplarisch herausgegriffenen Bildes nach der von Panofsky entwickelten Methode brachte, neben der Entschlüsselung interessanter ikonographischer Motive, die Erkenntnis, dass die Künstler bemüht waren, solche allegorische Inhalte in ihren Werken zu vermitteln, die oftmals mit anderen verfemten sozialen Gruppen assoziiert waren, wie Betrug, Täuschung und Beutelschneiden. Es wurden Gemeinsamkeiten zwischen der Behandlungsweise des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden und der heutigen zahnärztlichen Tätigkeit in Entwicklungsländern aufgezeigt. Als wichtige Leitkategorie der Darstellungen wurde die Inszenierungsqualität herausgearbeitet. Diese Selbstinszenierung und das damit verbundene "Sich- inSzene- setzen" wurde als wesentlicher Bezug zur Gegenwart erkannt und zu erklären versucht. 
Der verstärkte Wettbewerb und die zunehmende Lockerung des Werbeverbots, verbunden mit insgesamt sinkenden Einnahmen, sind die wesentliche Ursachen einer neuen, bis vor kurzem undenkbaren, marktschreierischen Anpreisung der Praxen in der heutigen Zeit, die zusammen genommen dazu führen, dass die Zahnärzte sich zunehmend in den verschiedensten Medien selbst inszenieren. Dieser Rückfall in Praktiken einer vergangenen und längst überholt geglaubten Epoche der Zahnheilkunde wurde als unheilvoll und für die Profession schädlich bewertet.