Das Zweitmeinungsmodell aus Sicht der Patienten

Dr. Eckhard Otto

Seit acht Jahren betreibt die Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg mit dem Zahnärztlichen Zweitmeinungsmodell eine befundbezogene Patientenberatung. Berichte und Stellungnahmen zu dieser Form der Beratung sind alle sehr von einer paternalistischen Betrachtungsweise geprägt. Die Beurteilung aus der Sicht der Patienten fehlt fast völlig. Wie so oft werden die am meisten betroffenen am wenigsten gefragt.

In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, was die Patienten von der Beratung im Rahmen des ZmMds mitnehmen und wie sie die Erkenntnisse umsetzen. Sechs Patienten wurden mit einem Leitfadeninterview einige Monate nach der erfolgten Beratung befragt, wie sie die dabei erworbenen Erkenntnisse umgesetzt haben. Zu diesem Zeitpunkt war die Therapie bereits abgeschlossen oder zumindest endgültig geplant. Außerdem wurden die von der BZK Freiburg gesammelten Daten aus den Erhebungsbögen von den ZmGs ausgewertet und interpretiert.

Die Interviews zeigten, wie unterschiedlich die Beratung verstanden wurde und dass oft auch der Schwerpunkt der Beratung gar nicht erkannt oder völlig vergessen wurde. Das angewandte Verfahren der Befragung ist, soweit es eine Pilotstudie zeigen kann, geeignet, die Fragestellung dieser Arbeit zu beantworten: Aus Sicht der Patienten hat das ZmG wesentlich dazu beigetragen, dass sie sich bei der Entscheidungsfindung sicher fühlten und mit ihrem Zahnarzt die richtige Entscheidung getroffen haben. Sie stellten den positiven Einfluß auf das Patienten-Zahnarzt-Verhältnis heraus. 

Nicht vorauszusehen war, dass die zweite Meinung aber oft auch eine dritte Meinung ist und zur Auswahl zweier Therapievorschläge und damit zweier Zahnärzte benutzt wurde. Die Auswertung der von der BZK Freiburg gesammelten Daten stellte die überwältigende Zustimmung der Patienten zum ZmMd heraus, mit 519 mal positiven Rektionen für dieses Modell bei 519 Beratungen. Dass in 293 Fällen (56,5%) nach ZE und in 187 Fällen (36%) nach Implantologie gefragt wurde überrascht nicht. Doch dass nach Amalgamfüllungen nur in 7 Fällen (1,3%) und nach Prophylaxe und Kinderbehandlung überhaupt nicht gefragt wurde ist erstaunlich.