Karlsruher Konferenz 2019

„OKKLUSION – WAS GIBT ES NEUES“

05.-06. APRIL 2019
Gartenhalle, Karlsruhe

Prof. Dr. Jens Türp, Basel

„Die Okklusion – eine wissenschaftliche Herausforderung für Zahnmedizin und Dentalanthropologie“

In 1970er Jahren zierte ein gleichermaßen frustrierendes wie provokantes Graffito die studentischen Waschräume der renommierten School of Dentistry (Ramfjord!, Ash!) der Universität von Michigan (Ann Arbor): “Occlusion is confusion, but there is no solution.” Dieser Satz scheint auf der ersten Blick bis heute kaum an Wahrheitsgehalt verloren zu haben. Aber haben wir wirklich nichts gelernt seitdem? Manchmal bringt ein frischer Blick über den Tellerrand erhellende Erkenntnisse. Der Vortrag zur Karlsruher Konferenz 2019 wird das Thema „Okklusion“ nicht nur anhand aktueller zahnärztlicher, sondern auch unter Berücksichtigung dentalanthropologischer Literatur kritisch beleuchten. Neue Interpretationen zur Bedeutung der Okklusion sowie zur Okklusionsgestaltung in der restaurativen und rekonstruktiven Zahnmedizin werden zur Diskussion gestellt, gemäß dem Leitschema: mehr Biologie, weniger Mechanik!

Prof. Dr. Hans-Jürgen Schindler, Karlsruhe

„Okklusionskonzepte auf dem Prüfstand“

Ein Umdenken ist angesagt – sowohl in der Restauration wie in der Rehabilitation der Okklusion. Fast zweihundert Jahre herrschte in der Zahnheilkunde die Vorstellung eines mechanisch idealisierten Kausystems. Statische und kinematische Konzepte beherrschten die zahnmedizinische Lehre. Heute zeichnet die physiologische und biomechanische Forschung ein hochkomplexes Bild des stomatognathen Systems. Das funktionelle Verhalten des Kausystems wird jetzt auch hinsichtlich seiner dynamischen resp. kinetischen Bedingungen betrachtet, was eine erhebliche Erweiterung der Grundlagen für therapeutische Konzepte darstellt. Der Vortrag wird über die aktuellen Entwicklungen berichten und unter diesen erweiterten Gesichtspunkten die gängigen Paradigmen zahnärztlich-prothetischer Rekonstruktion kritisch hinterfragen.

Prof. Dr. Ami Smidt, Israel

„Reprogramming Occlusion"

PD Dr. Daniel Hellmann, Würzburg

„Innovation in der Rehabilitation des Kauorgans – Abschied von der Wunderschiene“

Okklusionsschienen sind in Deutschland unter den zur Verfügung stehenden Optionen das am häufigsten eingesetzten Therapiemittel bei der Behandlung von kraniomandibulären Dysfunktionen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Mechanismen der Wirkung von Okklusionsschienen entzaubern allerdings die früheren landläufigen Ideen von „idealen“ Zahnkontakten und Kieferpositionen. Der Vortrag erläutert die aktuellen Hypothesen über die Entstehung von schmerzhaften kraniomandibulären Dysfunktionen und zeigt vor diesem Hintergrund zeitgemäße Konzepte in der Schienentherapie sowie innovative therapeutische Ansätze auf dem Gebiet des sensomotorischen Trainings.