In Deutschland sei dies schon länger in das Sozialgesetzbuch eingeflossen, damit die betroffenen Menschen, seien sie durch körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen behindert, nicht benachteiligt würden. Es sollte für sie vielmehr ein Höchstmaß an Gesundheit erreichbar sein.

Wichtig sei, zwischen einer Behinderung und einer Pflegebedürftigkeit zu unterscheiden, wobei behinderte Menschen pflegebedürftig werden könnten.

Es gebe keine Registrierung von Menschen mit Behinderung und folglich auch keine systematisch erhobene Daten über ihre Zahngesundheit. Ein Fortschritt sei allerdings, dass nun die LZK BW sich dieser Sache annehme und Untersuchungen in Behindertenwerkstätten durchführe – mit erschreckenden Ergebnissen. Bei 40-90% der Untersuchten bestände Behandlungsbedarf.

Laut Dr. Elsäßer sei die Behandlung von Menschen mit Behinderung für über 70% der Zahnärzte eine Belastung, da die Versorgung aufwändiger, zeitintensiver und dadurch schlechter honoriert sei.

Die DGZMK fordere als allgemeinen Anspruch zahnerhaltende Maßnahmen, Sanierungen in ITN und eine soziale Integration der Betroffenen durch die Herstellung eines „normal“ wirkenden äußeren Erscheinungsbilds.

Die Umsetzung sei aber nicht leicht, denn Schwierigkeiten würden sich durch die Lagerung der Patienten während der Behandlung, die Anamnese, den Transport, die Mundhygiene und den allgemeinen Zustand während der Behandlung ergeben. Deswegen hat Dr. Elsäßer einen speziellen Anamnesebogen in seiner Praxis eingeführt.

Sein Fragebogen umfasst u.a. folgende Fragen:

  1. Die Unterbringung der Patienten (stationär/ambulant/betreut/allein lebend/ in der Familie lebend), um die Betreuungssituation zu erfahren und um abzuschätzen, ob eine Unterstützung bei der täglichen Mundhygiene bestehe.
  2. Die gesetzliche Betreuung, da nur mit Unterschrift des gesetzlichen Betreuers eine Behandlung erfolgen darf.
  3. Die Kommunikation (gut/eingeschränkt/kaum möglich). Es sollte immer alles mit dem Patient auf Augenhöhe besprochen werden, um so Vertrauen aufzubauen. Hierbei könnten auch Bildtafeln helfen, Kommunikationsprobleme zu lösen.
  4. Die bisherige Kooperation, um zu erkennen, ob der Patient den Mund öffne und behandelt werden kann, sediert werden oder in ITN behandelt werden müsse, um dementsprechend die Termine zeitlich anpassen zu können. Es habe sich ein Fragenkatalog bewährt, um abzuwägen, ob ein Patient in INT behandelt werden sollte.
  5. Die Zahnpflege (allein/mit Unterstützung), um dem Patienten oder den Pflegern erklären zu können, wie die Mundhygiene zu erfolgen habe. Wenn Menschen mit Behinderung selbst die Zahnreinigung übernehmen, solle immer eine elektrische Zahnbürste benutzt werden.
  6. Wer die Anamnese ausgefüllt hat (Pädagogischer Mitarbeiter der betreuenden Einrichtung, gesetzlicher Betreuer, Hausarzt, Praktikant, Verwandter).

Es solle laut Dr. Elsäßer immer ein Konsens zwischen allen beteiligten Personen vorliegen (Patient/ Zahnarzt/Hausarzt/Betreuer/Lebenspartner/Zahntechniker), um individuell das Beste für den Patienten zu erreichen. Wegen der starken Parafunktionen bei Cerebralparesen sei oft von herkömmlichen Restaurationskonzepten abzuweichen. Es sei dann z.B. wichtig, den Zahnersatz reparaturfähig zu gestalten oder mit Metallkauflächen auszustatten.

Auch eine Schulung der Mitarbeiter für diese speziellen Patienten sei unabdingbar, da sie oftmals die ersten Ansprechpartner darstellten. Um eine ruhige und stressfreie Behandlung zu gewährleisten, sollte ein Special-Care Tag eingeführt werden. Dies sei ein Tag in der Woche, an dem nur Menschen mit Behinderung behandelt werden. Falls es zu Unruhen oder Verzögerungen komme, sei dies nicht so erheblich, da die Patienten oder auch die Betreuer daran gewöhnt seien.

Laut Dr. Elsäßer fasziniere, fordere und schule ihn der Umgang mit behinderten Patienten. Die Behandlung dieses Personenkreises erweitere seinen fachlichen und persönlichen Horizont immer wieder- und das bereits erfolgreich seit 22 Jahren.