Ursprünglich hauptsächlich als Ersatz für die konventionelle Amalgamfüllung gedacht, bietet das moderne Cerec-System nicht nur die Möglichkeit der Chairside-Sofortversorgung in Form von Inlays, Teilkronen, Vollkronen und Brücken, sondern ergänzt auch den intraoralen Befund um Bilder bzw. Scans, die z.B. als Verlaufskontrolle bei Gingivarezessionen oder Erosionen genutzt werden können.

In einer Live-Demonstration zeigte Dr. Reiss eindrücklich auf, wie schnell aus dem Scan der Präparation, des Gegenkiefers und des Bisses, eine Konstruktion der Restauration unter den Gesichtspunkten des Biomorphings entsteht. Zur Reduktion von Störkontakten nimmt Dr. Reiss ein zusätzliches dynamisches Bissregistrat, welches er über der Präparation scannt und für die Okklusionskontrolle während seiner Konstruktion nutzt.

In Studien konnte bereits gezeigt werden, dass im digitalen Verfahren, beim Quadrantenscan, im Vergleich zur konventionellen Abformung, die Präzision gleichwertig ist. Jedoch in der Darstellung der Situation des gesamten Kiefers scheint derzeit die konventionelle Abformung noch etwas präziser zu sein. Sie hat allerdings den Nachteil, dass nicht korrigiert werden kann, was beim digitalen Workflow möglich ist. Auch die gefürchtete Abbildung der subgingivalen Präparationsgrenze stellt für den Referenten keine ernstzunehmende Herausforderung mehr dar - er scannt zuerst den gesamten Bereich und fügt anschließend durch Korrektur, nach adäquater Trockenlegung, die selektiv gescannte Präparationsgrenze hinzu.

In der Implantologie besteht die Option, digitale Scans für das Backwardplanning mit DVTs zu matchen. Auf diese Weise können z.B. präoperativ Bohrschablonen für die navigierte Implantation hergestellt werden. Weiterhin ist es möglich, intraoperativ über den Scan, Healingabutments oder Sofortversorgungen in Form von Provisorien zu konstruieren.

Die Datensätze dienen nach Herstellung der Restauration nicht nur der Dokumentation, sondern können auch im Falle von Frakturen o.ä. für die erneute Herstellung der Versorgung verwendet werden.

Auch in der Kieferorthopädie haben digitale Verfahren bereits Einzug gehalten. Sie werden z.B. für Schienen der Invisalign-Technik genutzt. Hier sieht Dr. Reiss ebenfalls noch großes Potenzial für die Anwendung der Systeme.

Als Zukunftsaussicht zeigte der Referent die Augmented Reality, in der Zahnärzte auf der Basis eines Face-Scans mit einem virtuellen MockUp mögliche Restaurationen virtuell konstruieren. Der Patient sieht sein Gesicht und die verschiedenen Gestaltungsalternativen des Zahnersatzes. Die Form wird nach seinen Vorstellungen modifiziert und dann entsprechend hergestellt. 

Am Ende seines Vortrags stellte Dr. Reiss noch seine Initiative ACKeramik vor. Bei diesem Projekt ist es den teilnehmenden Zahnärzten möglich, durch Einzelanalysen ihrer Behandlungsergebnisse und durch  interkollegialen Austausch, individuelle Behandlungsempfehlungen zur Qualitätssteigerung bzw. -sicherung zu erhalten.

Dr. Reiss brennt unverkennbar für High Tech in seiner Dorfpraxis und konnte, erkennbar am langen Applaus, sein Publikum mit seinem Vortrag für die Anwendung der digitalen Verfahren begeistern.