Untersuchung eines deutschsprachigen interaktiven Internetforums für Patienten mit zahnmedizinischen Themen im world.wide.web.master-frage.de

Dr. Marcel Tacke, M. A.

Das Patientenforum master-frage.de erweist sich für den User als ein nützliches lnstrument, wenn es darum geht eine 2. Meinung zu erhalten oder sich über die Modalitäten einer bevorstehenden Behandlung zu informieren. Wie die Untersuchung gezeigt hat, sind diese beiden Aspekte die zentrale Motivation, das Patientenforum aufzusuchen. Es besteht die Möglichkeit eine auf den jeweiligen Fall individuell zugeschnittene Antwort zu erhalten, die sich hinsichtlich der Expertise auf einem hohen fachlichen Niveau bewegt.

Bei der genauen Betrachtung der Diskurse ergab sich, dass im Detail noch Verbesserungen möglich sind. lnsbesondere fiel der Umgang mit Angstpatienten auf. Auf sie mit mehr Empathie einzugehen, würde die Qualität des Forums steigern. In diesem Zusammenhang kann sich eine Erweiterung der Rubriken, denen der User sein Posting vor dem Einstellen zuordnen muss, als nützlich für alle Beteiligten erweisen. Vorzuschlagen wäre hier die Rubrik ,,Angst". Sie ist eindeutig für den Angstpatienten und würde den Eindruck vermitteln, an der richtigen Stelle angekommen zu sein. Dieser Eindruck ließe sich verstärken, indem neben der implantologischen und parodontologischen Expertise ein Text erscheint, der das Thema Angst zum lnhalt hat und betroffene Patienten ermutigt, ihren Beitrag einzustellen

ln der Untersuchung wurde deutlich, dass das lnternet nicht nur eine wichtige Möglichkeil zur lnformationsgewinnung darstellt, sondern sich zu einem Medium persönlicher und individueller Beratung entwickelt. Einem seriösen Forum wie dem Forum master-frage.de, in dem sich Patienten kompetent und individuell beraten lassen können, kommt in diesem Kontext eine wachsende Bedeutung und Verantwortung zu. Die Spezialisten haben die Möglichkeit, das Vertrauen der Patienten in den Behandler zu stärken, Angst abzubauen und zu einer entspannten Arzt-Patient-Beziehung beizutragen.

Welche Konsequenzen haben die Untersuchungsergebnisse für die zahnärztliche Praxis? Es gibt wohl kaum einen Kollegen, der sich nicht täglich mit dem Problem „Angstpatient“ in seiner Praxis konfrontiert sieht. Die vorliegende Untersuchung möchte einen Beitrag leisten, den Umgang mit diesen Patienten stärker zu reflektieren und Behandlungskonzepte zu entwickeln, die diesem Patiententypus entgegenkommen. ln dem in der Einleitung zitierten Artikel aus der Zeitschrift Spiegel wurde deutlich, dass Behandlungserfolge nicht unwesentlich auch von der Fähigkeit abhängen, sich auf den Patienten einzustellen.

Abschließend soll noch einmal Jana Jünger zu Wort kommen, die an der Heidelberger Universität angehenden Medizinern die „Kunst“ des Arzt-Patienten-Gesprächs lehrt. lhre Überzeugung und ihr Credo: ,,Empathie kann man lernen"15



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15 Rhein Neckar Zeitung, Ausg. 123/28.29.05.2011, S.5