Prof. Dr. Dr. Albert Mehl, Zürich
Science-Fiction in der Zahnmedizin - Zukunft liegt in digitalen Techniken
Prof. Dr. Dr. Mehl der Universität Zürich lieferte in seinem Vortrag während der 27. Karlsruher Konferenz 2012 einen beeindruckenden Überblick über die virtuelle Rekonstruktion sowie den daraus resultierenden Folgen für die zahnärztliche Praxis und das dentale Fachlabor.
Intraorale Abformung - Genauigkeit & Qualität überzeugen
Seit den Anfängen des letzten Jahrhunderts habe sich die digitale intraorale Abformung besonders im Hinblick auf die Genauigkeit und Qualität enorm verändert. Die Grenzen der digitalen Abformung sieht Mehl momentan noch in der Abformung von Ganzkiefern, besonders dann wenn große Schleimhautareale miteinbezogen werden müssten. Nach Mehls Zukunftsvision wird neben Einlagerestaurationen, Kronen und Brücken auch die Implantat-Prothetik zunehmend auf digitale Abformungsverfahren setzen.
Digitale Kauflächengestaltung automatisierbar
Mehl stellte des Weiteren die digitalen Techniken zur Kauflächengestaltung vor. Mit Hilfe der digitalen Zahnbibliothek und der Software des Tooth-Synthesizers lässt sich ein biogenetisches Zahnmodell generieren. Die Informationen aus den Scans der Präparation, der Antagonisten und der statischen Okklusion können nun um das funktionelle Bissregistrat erweitert werden. Bei ausreichender Restbezahnung könne näherungsweise eine anatomisch-individuelle Simulation der Bewegung erreicht werden. Dadurch wird es möglich eine umfassende individuelle Patientenartikulation zu erfassen.
Befundaufnahme, Diagnostik und Planung am Monitor
Nach dem Schweizer Experten wird die digitale Technik auch in der Befundaufnahme und Diagnostik immer bedeutender, besonders zeitliche Verlaufskontrollen werden durch die Digitalisierung deutlich präziser. In Kombination mit der Dentalen Volumen Tomographie können alle Informationen im Sinne einer Symbiose zur Planung (bspw. Dysgnathie-Chirurgie, Zahnersatz uvm.) herangezogen werden, vornehmlich wird davon die Implantat-Prothetik profitieren.
Zusammenfassend können Intraoral-Scanner für viele Indikationsbereiche eingesetzt werden und können die Zahnmedizinisch/ -technischen Prozesse deutlich vereinfachen. Mehl ist sich sicher, dass die Digitalisierung zu einer Umstrukturierung des zahntechnischen Labors führen werde, allerdings werde sie die konventionelle Zahntechnik nicht ablösen, sondern wertvoll erweitern!
Autorin: Dr. Carolin Wissel