"Zwischen Geschichte und Prophezeiung"
Aus dem Vortrag
Der Glaubende hofft, betet, bemüht sich, den Willen Gottes zu erkennen, um ihm sein Handeln anzupassen. Aber auch der Staatsmann, der nicht glaubt, darf nicht vergessen, daß es außer den Gesetzen des menschlichen Verhaltens, die von der Geschichtsforschung an den Tag gelegt werden, das Moralgesetz gibt, daß auch die höhere Norm des Regierens nicht vernachlässigt werden darf. Darum kann den für das Leben der Völker Verantwortlichen gar nicht genug empfohlen werden, mit dem ernsthaften und anspruchsvollen Studium der Geschichte eine tiefe Sensibilität für die Forderungen des Sittengesetztes zu verbinden.
Die Vernachlässigung dieser Forderungen ist nicht nur unmoralisch, sondern legt tatsächlich den Grund dafür, die Verwirklichung dessen, was das Ziel des politischen Handelns und Regierens sein soll, nämlich das Wohl und den Fortschritt der Völker, nicht nur nicht zu fördern, sondern geradezu zu verhindern.