Schnittstellen zwischen MKG-Praxis und Überweisern

Dr. Dr. Johannes H. Albert-Deumlich, M.A.

In der vorliegenden Masterarbeit werden Schnittstellen zwischen Überweiserpraxen und einer MKG-Praxis im Raum Pirmasens beschrieben. Konzentriert wurde sich hierbei auf die Rezeptionen der Überweiser im Jahre 2012 (= 156 äußere Schnittstellen) und der MKG-Praxis (= 1 innere Schnittstelle). Dazwischen bewegten sich ebenfalls als äußere „Schnittstellen“ 3.762 Patienten.

Grund der Untersuchung war die Feststellung, dass beim ersten Beratungsgespräch in der MKG-Praxis häufig Unterlagen fehlten, deren Beschaffung viel Zeit in Anspruch nahm. Umgekehrt fehlten den Überweisern Informationen, die in der MKG-Praxis festgestellt wurden. Der Grund bestand darin, dass der Bericht nach Abschluss der Behandlung aus der MKG-Praxis später beim Überweiser eintraf, als der zurück überwiesene Patient.

Ausgang der Analyse war das Jahr 2012, die Anzahl der Patienten nach Alter, Geschlecht und ob erstmals in der MKG-Praxis oder bereits bekannt. Weiter interessierte die Anzahl der Überweiser. Es konnte festgestellt werden, dass 37 Hauptüberweiser (= 24 %) durch ihr Vertrauen 95 % des Gesamtumsatzes der MKG-Praxis auslösten. Um die Anzahl der Patienten einzuschränken, wurden in einem weiteren Schritt 100 (von 939) zufällig ausgewählte Patienten aus dem 2. Quartal 2013 hinsichtlich ihrer Dauermedikation und der Anzahl der bei der Anamnese angegebenen chronischen Erkrankungen überprüft. Von Interesse war ebenfalls, welchen Weg der Kommunikation die Überweiser dieser Patienten nutzten: Digital (papierlos), konventionell (mit Papier) oder beides.

In zwei Gruppendiskussionen konnten zunächst mit 3 Zahnärzten, die komplett papierlos arbeiten, im Konsens Wege gefunden werden, um die Kommunikation zwischen den Praxen zu optimieren, ohne dabei zusätzliche Papierformulare einzuführen. Der Weg, Informationen und Patientendaten per Email auszutauschen, ist wegen der gesetzlichen Bestimmungen offiziell nicht gangbar. Ähnlich wie beim Papierfax besteht immer die Möglichkeit, dass sensible Daten an falsche Adressen gelangen. Der „sicherste“ Weg ist im Moment noch die Aushändigung der Überweisung als Papierdokument einschließlich der angefertigten Röntgenbilder oder vorhandener Befunde an den Patienten. Vorstellbar wären auch digitalisierte Dokumente auf Daten-CD oder USB-Stick.

Anhand der in den Gruppendiskussionen abgearbeiteten Themen wurde ein Fragebogen entwickelt, mit dem 10 zufällig ausgesuchte Kollegen in einem Telefoninterview befragt wurden. Es konnte festgestellt werden, dass inzwischen alle befragten Kollegen ihre Abrechnungen digitalisieren und verschlüsselt an die KZV übertragen. Alle Interviewten favorisieren den bisherigen Weg der Kommunikation mit Papierdokumenten und Röntgenfolien zur MKG-Praxis. Sechs der befragten Kollegen wünschen, ähnlich der Teilnehmer an den Gruppendiskussionen, Kurzinformationen, falls in der MKG-Praxis über den Überweisungsgrund hinaus Befunde oder Diagnosen festgestellt wurden.

Die überwiesenen Patienten sind bei dieser Untersuchung am schwierigsten einzuschätzen. In der MKG-Praxis wurde mit dem Qualitätskreislauf eine Checkliste entwickelt. Anhand dieser Liste lässt sich bereits bei der Terminvergabe mit den Patienten ein Prozedere realisieren, dass fehlende Informationen auf ein Minimum reduziert werden konnten. Die Checkliste ist auch auf die Rezeptionen der Überweiser anwendbar, falls diese für ihre Patienten einen Termin vereinbaren. Eine gründliche Anamnese in Verbindung mit den vollständigen Medikamentenlisten ermöglicht in einer überschaubaren Zeit eine Risikoabschätzung der chronisch Kranken. Diese lässt sich sicherlich noch genauer fassen, sobald die Ergebnisse des medikationsbezogenen Chronic-Disease-Scores vorliegen.

Es kann festgestellt werden, dass der in dieser Untersuchung gewählte Weg über Gruppendiskussionen und Telefoninterviews ein geeignetes Mittel ist, Probleme zwischen den Schnittstellen Überweiser – MKG-Praxis festzustellen und im Konsens Lösungen zu finden. Entscheidend sind hierbei eine sehr gute Kommunikation und ein unbelastetes interkollegiales Verhältnis. Alle Eingangsfragen konnten hinreichend geklärt werden. Die Ergebnisse könnten dazu genutzt werden, mit Hilfe des Qualitätsmanagements über den Qualitätszirkel einen rechtssicheren Übertragungsweg der sensiblen Patientendaten im Sinne eines Leitpfades zwischen den Praxen zu realisieren. Am besten geeignet als Partner wäre die Selbstverwaltung.