Explorationsstudie zur Konstruktion und Akzeptanzprüfung eines Burnout-Präventionskonzeptes für den zahnärztlichen Berufsstand

Dr. Carolin Isabell Wissel, M.A.

Die qualitative Studie „Konstruktion und Akzeptanzprüfung eines Burnout-Präventionskonzeptes für den zahnärztlichen Berufsstand“ wurde in Zusammenarbeit der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe und der Universität Magdeburg durchgeführt. Um der Burnout-Entstehung frühzeitig entgegen wirken zu können, wurden in zwei vergleichbar strukturierten Workshops mit Hilfe von zwei ähnlichen Fokusgruppen die Risikofaktoren des Berufsstandes exploriert, darauf aufbauend spezifische Präventionskonzepte konstruiert sowie deren Akzeptanz im zahnärztlichen Berufsalltag geprüft.

Das Fortbildungsprogrammheft der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe offerierte das Angebot zur Teilnahme an Burnout-Workshops spezifisch für Zahnmediziner. Insgesamt folgten 13 Zahnärzte selbstselektiv diesen Einladungen. Die durchgeführten Workshops gliederten sich in eine Vorstellungsrunde der Teilnehmer, einen Impulsvortrag zum Thema „Burnout bei Zahnärzten“ und einer daran anschließenden moderierten Gruppendiskussion. Zur Charakterisierung der jeweiligen Diskussionsrunde beantworteten die Gruppenteilnehmer einen Fragebogen, welcher die Einstellung zur Burnout-Thematik, den Maslach-Burnout-Inventory und soziodemographische Daten beinhaltete. Die Redebeiträge der Gruppendiskussionen wurden per Tonbandgerät aufgezeichnet und zusätzlich protokolliert. Darauf basierend wurden einfache Transskripte erstellt, welche nach den Prinzipien der zusammenfassenden Inhaltsanalyse (Paraphrasierung, Generalisierung, Reduktion) sequenziell ausgewertet wurden.

Als bedeutende Risikofaktoren für Burnout in der zahnärztlichen Praxisroutine wurden erhöhtes Arbeits-/Patientenaufkommen, Behandlung schwieriger Patienten, Fülle an Verwaltungstätigkeiten, Verlust an Selbstbestimmung aufgrund von Reglementierungen und Probleme im strukturellen Praxisbereich bei der Personalakquise benannt. Als individuelle Risikofaktoren konnten Charaktereigenschaften identifiziert werden, die zur Überreizung der eigenen Leistungsfähigkeit führen können, bspw. nicht „Nein“ sagen können oder (übertriebener) Perfektionismus. Als extrinsische Risikofaktoren wurden u. a. extreme Reglementierungen von staatlicher Seite, steigender Leistungsdruck zur Erfüllung der professionellen Standards sowie die negative Image-Darstellung des Berufsbildes in den Medien ermittelt. Zur Reduktion des Burnout-Risikos wurden Bewältigungsstrategien und Ressourcen analysiert. Mögliche Maßnahmen sind u. a. Aufklärung/Sensibilisierung des Berufsstandes durch die Fachpresse (bspw. ZM) sowie die unkomplizierte Offerte und Teilnahme an Interventionen. Im beruflichen Bereich fungieren stringentes Zeitmanagement (Fremdorganisation, Zeitpufferzonen, Begrenzung des Arbeitspensums), Delegation (bspw. Assistent, Praxismanager), Tätigkeit in einer Praxisgemeinschaft und kollegialer Austausch als effiziente Ressourcen. Zur Kompensation von Misserfolgserleben dienen einerseits die intensive Aufklärung des Patienten zur Forderung der Selbstbestimmung und andererseits die Erfolgsdokumentation (z.B. Falldokumentationen) sowie positives Feedback der Patienten. Als effiziente Ressourcen im privaten Bereich wirken die Aussprache über den berufsbedingten Stress sowie ein stringentes Freizeitmanagement (Zeit für die eigenen Bedürfnisse/sportliche Aktivitäten und Zeit für Familie/Freunde). Basierend auf den Risikofaktoren und Ressourcen wurden Präventionskonzepte konstruiert. In Bezug zur Zeitstruktur werden mehrdimensionale Interventionen wie ein Screening (max. 30min) zur Selbsteinschätzung, ein Einstiegsseminar (max. 1/2 Tag) und darauf aufbauend intensivere Folgeveranstaltungen (max. 1,5 Tage) bis hin zu strukturierten Fortbildungsreihen als praktikabel und akzeptabel erachtet. Inhaltlich werden Themen gefordert, die die universitäre Ausbildung nicht umfasst (bspw. Praxisstruktur, Verwaltungswesen, Psychologie, Kommunikationstraining, Ergonomie und Stressmanagement). Zur Erhöhung der Akzeptanz sollten die Interventionen über eine Institution angeboten und möglichst separat in einem Tagungshotel durchgeführt werden. Je früher sich das Problembewusstsein in der Berufslaufbahn ausprägt (bspw. Praxispraktikum im Studium), desto höher wird die Akzeptanz von Interventionsmaßnahmen eingeschätzt.

Zusammenfassend stellen die Resultate der vorliegenden Studie eine Basis dar, um als zukunftsorientiertes Ziel die Morbidität des Burnout-Syndroms zu minimieren. Dazu muss sich der zahnmedizinische Berufsstand intensiv mit mehrdimensionalen (Screening, Seminare, Fortbildungsreihen) Burnout-Interventionen beschäftigen. Eine Anlaufstelle auf Kammerseite zur Problembewältigung wird übereinstimmend befürwortet und gefordert.