ZFerwArtungen – Zum Berufsbild der Zahnärztlichen Fachangestellten, empirische Befunde und Strategien für die Praxis

Dr. Thomas Schilling, M.A.

Die Ausbildung zur zahnärztlichen Fachangestellten hat sich mehrfach in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt, die Aufgabenfelder wurden inhaltlich den Anforderungen angepasst. Die letzte wahrnehmbare Veränderung war die 2001 durchgeführte Abschaffung der Berufsbezeichnung Zahnarzthelferin und die Umbenennung zur ZFA.

Nicht geändert haben sich die Didaktiken. Die Jugendlichen bringen Voraus-setzungen mit, denn sie machen sich Gedanken um ihre Zukunft in einem Beruf, der soziale Kompetenz, Organisations- und Planungsvermögen und manuelles Geschick voraussetzt. Sie erkennen sehr früh diese Anforderungen und fühlen sich zum Teil allein gelassen, diese Aufgaben zu verstehen und einen Überblick dafür zu entwickeln.

Es fehlt Ihnen ein Ansprechpartner und die Praxen sind aufgrund vielfältiger Zusatzaufgaben außerhalb der Behandlungszeit, wie Dokumentationen und Nachweispflichten nicht in der Lage dies aufzufangen. Die Schulen wiederum, erfahren eine nur geringe Absprache mit den Praxen, es fehlt ein Bindeglied.

Die Gesellschaft verändert sich in einem schleichenden, aber deutlich spürbaren Prozess, die heutigen Auszubildenden haben mit dem Ausbildungsplatz nicht mehr zwingend die Perspektive auf einen Lebenszeitarbeitsplatz, die ihre Eltern während ihrer Ausbildung noch hatten.

Hier kann angesetzt werden. Denkbar sind die oben angesprochenen Mentoren(innen). Die Interviews haben auch gezeigt, dass eine direkt zugeordnete Ansprechpartnerin der Praxis für die Auszubildende fehlt.
Es ist die Aufgabe der Profession dafür zu sorgen, dass die wesentlichen Aufgaben des Berufes und das gewünschte Image vermittelt werden.
Es soll begleitend zur Ausbildung einen Ansprechpartner für alle an der Ausbildung beteiligten, Zahnärzt(innen), ausgebildete Zahnärztliche Fachangestellte, Schulen, Eltern und berufsständische Institutionen, geben und diese Beteiligten sollen ein Image des Berufes beschreiben und vermitteln, dass es der angehenden Mitarbeiterin ermöglicht, sich mit der Aufgabe zu identifizieren und für sich eine wünschenswerte und existentielle Perspektive zu schaffen.

Es ist meine Überzeugung, dass letztendlich Mitarbeiter, die von Beginn an in dem Beruf ernst genommen wurden treue, Mitarbeiter sein werden.
Erste Voraussetzung wird aber sein müssen, für eine der Arbeitsanforderung unserer Mitarbeiterinnen adäquate Entlohnung zu sorgen. Für eine zusätzliche Ausbildungsbegleitung können Qualitätszirkel zum Beispiel herangezogen werden und in Teams über die 3-jährige Ausbildung den Auszubildenden die Schulausbildung ergänzende fachliche und sozialkompetente Lernstoffe vermitteln.

Denkbar ist dafür auch ein Zusatzzertifikat zu erstellen, z.B. ähnlich dem über den Unterricht hinausgehenden Internationalen Sprachdiplom „DELF"4. Das Zertifikat zeigt das Engagement für den Beruf und soll zu einer höheren Identifikation führen. Gleichzeitig finden die Mitarbeiterinnen ein Forum, in dem sie sich austauschen können, so wie es ihre Chefs und Chefinnen auf den Fortbildungen immer tun.

Ein oder eine Ausbildungsbeauftragt(e)r oder ein Team regional kann eine Anlaufstelle für die Auszubildende werden, für Fragen, die sie sich in der Praxis nicht zu stellen traut. So können Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Der Qualitätszirkel TuTZiG hat mit dieser Idee bereits begonnen, im vergangenen Jahr wurden zwei Wochenendseminare zum Thema Abrechnung ausschließlich für Auszubildende des zweiten und dritten Ausbildungsjahres als Prüfungsvorbereitung mit großem Interesse angenommen. An der Idee eines Tuttlinger Zahnärztlichen Ausbildungskollegs arbeitet der Qualitätszirkel weiter. Alleine kann diese Aufgabe und soll sie auch nicht gemeistert werden. Denkbar und wünschenswert sind Unterstützung durch die beruflichen Körperschaften, z.B. durch finanzielle Unterstützung eines Pilotprojektes „Qualifizierte Ausbildung" und der Fortbildungsinstitute durch inhaltliche Unterstützung und der Schulen durch pädagogische Unterstützung der Mentoren(innen).

Berufsausbildung ist eine Weichenstellung im Leben und noch immer sind Lehrjahre keine Herrenjahre, nur mit dieser antiquierten Einstellung wird man den Jugendlichen nicht mehr gerecht. Und das wusste bereits Henry Ford:

„Zusammenkommen ist ein Beginn,
Zusammenarbeiten ist ein Fortschritt,
Zusammenbleiben ist ein Erfolg!"
(Google Zitate Henry Ford, 13)

Die befragten Auszubildenden haben ein großes Interesse in diesem Beruf zu bleiben, wir müssen ihnen zuhören und ihnen Perspektiven geben.

Zitat-
Azubi D: „Ich fand es schon schön, dass man sich darüber mal unterhalten hat. Und dass es auch mal jemanden interessiert."