Wahrnehmung und Umsetzung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in die zahnärztliche Praxis am Beispiel von Bisphosphonaten

Dr. Anne Daszkowski

In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, wie Zahnärzte Wissen bezüglich neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse erlangen und in wieweit dieses Wissen einen Einfluss auf ihre alltägliche Behandlungsroutine hat.
Dazu wurden zunächst die von den Zahnärzten gewählten Vorgehensweisen der Informationsbeschaffung ermittelt und hinsichtlich ihrer Effektivität hinterfragt. Diese Analyse erfolgte anhand der Ermittlung des Wissensstandes verschiedener Zahnärzte hinsichtlich der seit 2003 bekannten Komplikationen bei der zahnärztlichen Behandlung eines Patienten, der Bisphosphonate einnimmt.
Grundlage des methodischen Teils der Arbeit ist eine telefonische Befragung der Mitglieder von 15 verschiedenen zahnärztlichen Qualitätszirkeln. Anhand eines Fragebogens wurde am Beispiel des Wissens über Bisphosphonate der Umgang von Zahnärzten mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ermittelt. Um der möglichen Wissensstand eines selbstständig recherchierenden Zahnmediziners bezüglich der Bisphosphonatproblematik definieren zu können, wurde zudem eine Internetrecherche durchgeführt.

Auswahlkriterium war, das die Befragten Teilnehmer eines Qualitätszirkels sind, die  das Thema Bisphosphonate noch nicht bearbeitet hatten. Durch die Bedingungen standen letztendlich die 36 Mitglieder von acht der 15 Qualitätszirkel als Teilnehmer der Befragung zur Verfügung. 25 dieser Zahnärzte waren durch eigenständige Information mit der Bisphosphonat-Problematik in Berührung geraten und qualifizierten sich somit als Interviewpartner. Die Interviews wurden im Sinne einer zielorientierten Auswertung der Ergebnisse der Befragung in Hinblick auf fünf Schwerpunkte zusammengefasst und ausgewertet.

Die computergestützte Recherche bezüglich der Bisphosphonat-Problematik hat gezeigt, dass Zahnärzte relativ schnell und einfach an Informationen über neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gelangen können.

Das Gespräch mit Kollegen, das Lesen von Lehrbüchern und Zeitschriften sowie Fortbildungsveranstaltungen sind für Ärzte die klassischen Wege, um an Informationen zu gelangen. Wobei die Zeitschriftenlektüre häufig als wichtigstes Instrument der eigenen Fortbildung angesehen wird. Das bestätigten auch die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Interviews.

Die Untersuchung ergab auch, dass bei den Zahnärzten kein selbst initiierter aktiver Informationsbeschaffungsprozess stattfindet. Die Thematik der Wissensentwicklung war für die Befragten offenbar keinesfalls konkret. Die Fragestellung, wie neues Wissen in den Praxisalltag integriert wird, nimmt im Bewusstsein der Zahnärzte keinen zentralen Platz ein.

Aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Wissen ist es wichtig, dass Ärzte bei der Aufbereitung und Aneignung neuen Wissens unterstützt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Erkenntnisse medizinischer Studien in der Praxis ankommen und nicht zugunsten individueller Überzeugungen, Vorlieben oder aus Bequemlichkeit ignoriert werden.

Die verstärkte Berücksichtigung der EbM und ihrer Methoden sollen die Zahnärzte dabei unterstützen. Instrumente zur Umsetzung evidenzbasierter Zahnmedizin sind z. B. die Entwicklung von Leitlinien und die Qualitätszirkelarbeit.

Aufgrund der Datenlage ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich eine evidenzbasierte Leitlinie bezüglich der Bisphosphonat-Problematik zu erstellen.
Am Beispiel der Bisphosphonat-Problematik wird deutlich, wie wichtig es ist, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse für die niedergelassenen Zahnärzte zugänglich sind und von ihnen wahrgenommen werden.