Diskription und Evaluierung des Führungsverhaltens von Zahnärzten mit Hilfe von differenziellen Untersuchungen

Corinna Günthner M.A.

In der vorliegenden Studie wurde das Führungsverhalten und die Führungsarbeit von Zahnärzten betrachtet. Generell existieren zu diesem Thema sehr wenige Untersuchungen.
Um möglichst viele weitreichende Informationen von Zahnärzten zu erhalten, wurden zehn Praxisinhaber rekrutiert, die in einer ländlichen Umgebung angesiedelt sind und den durchschnittlichen Zahnarzt repräsentieren. Sie stellten die Vergleichsgruppe dar.
Das weitere Anliegen der Studie, die Untersuchung der Intervention des Praxistrainings PZQ, ein neuartiges, spezielles Fortbildungskonzept der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, wurde zusammen mit den Teilnehmern des zweiten und dritten Kurses Praxisforum Zahnärztlicher Qualitätsförderung durchgeführt.
Diese Versuchsgruppe, bestehend aus neun Zahnärzten/innen des zweiten PZQ-Kurses PA 2005/2006, welche mittlerweile als Absolventen des ersten Masterstudienganges hervorgingen, und vierzehn Zahnärzten/innen, die den dritten PZQ-Kurs PA oder Implantologie 2006/2007 besuchten und Studenten des zweiten Matrikels des Masterstudiums Integrated Practice in Dentistry sind. Die zugrundeliegende Studie verglich die Selbsteinschätzungen des Führungsverhaltens von den Zahnärzten/innen mit den Fremdbildern einer befragten Helferin der jeweiligen Praxis.
Um möglichst viele auswertbare Antworten zu erhalten, wurde die Methodik der Befragung gewählt. Dazu wurde ein umfangreicher, in sechs Teilgebiete untergliederter Fragebogen zum Führungsverhalten in Zahnarztpraxen konzipiert. Die Versuchsgruppe erhielt diesen Fragebogen mit einem zusätzlichen Fragen- und Bewertungsabschnitt zum Praxistraining PZQ. Darüber hinaus wurde zur Datenerhebung der standardisierte Fragebogen zur Vorgesetzten- Verhaltens-Beschreibung (FVVB) benutzt, um das Kriterium der Validität zusätzlich zu erhöhen. Der FVVB ist durch mehrere Faktorenanalysen verfeinert und in vielen empirischen Studien seit Jahrzehnten in der Führungsforschung erprobt worden. Er zielt auf die Zweidimensionalität des Führungsverhalten eines Vorgesetzten ab: "Consideration" (Mitarbeiterorientierungsfaktor) und "Initiating Structure" (Aufgabenorientierungsfaktor). Der FVVB untermauerte die Ergebnisse des Fragebogens zum Führungsverhalten in Zahnarztpraxen und erlaubte somit tendenziell Aussagen zu den Gruppenunterschieden treffen zu können. Die Studie zeigte auf, dass stark 90% der befragten Zahnärzte/innen sich nicht ausreichend zum Thema -Führung- im Zahnmedizinstudium informiert fühlten und somit ein großes Potential für Fortbildungskonzepte besteht. Denn 70% der Versuchsgruppe und 50% der Vergleichsgruppe äußerten den Wunsch, sich zu diesem Themenkomplex weiter zu bilden.
In der Untersuchung zeigte sich, dass generell in den evaluierten Praxen die Aufbauorganisation und die Prozessabläufe, das heißt Verantwortungsbereiche, Kompetenzen der Mitarbeiterinnen klar definiert sind, sehr gut organisiert ablaufen und auch bei großer Arbeitsbelastung beständig funktionieren. Die Sichtweisen der Zahnärzte stimmte weitgehend mit den Aussagen der Helferinnen überein.
Gruppenunterschiede konnten bei der Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und gemeinsamer Erarbeitung im Team gefunden werden. Zum Beispiel bei den Zielen: Fast alle Praxen setzen sich Ziele, aber über eine gemeinsame Erarbeitung der Ziele äußerten sich lediglich 20% der Zahnärzte der Vergleichsgruppe zustimmend; jedoch 65% der Zahnärzte der Versuchsgruppe gaben an, Ziele gemeinsam im Team festzulegen.
Die stärkere Einbeziehung der Helferinnen wird einmal mehr deutlich in den Ergebnissen des standardisierten Fragebogens zum Bereich Mitbestimmung/Beteiligung. Die Zahnärzte der jeweiligen Gruppen bewerteten das Mitbestimmungsrecht ihrer Helferinnen zwar nahezu gleich ein, aber die Einschätzungen der Mitarbeiterinnen zeigt das unterschiedliche Bild in den Gruppen. Die Helferinnen der Vergleichsgruppe sehen ihre Möglichkeiten der Mitbestimmung deutlich geringer gegenüber ihren Kolleginnen aus der Versuchsgruppe.
Dieser Eindruck wurde bei der Gegenüberstellung einzelner Items noch verstärkt. Wichtige Voraussetzung für eine reibungslos funktionierende Zahnarztpraxis ist die umfassende und stimmige Kommunikations- und Informationsweitergabe unter den Kolleginnen einschließlich Praxisinhaber. In der Untersuchung zeichneten sich auch dabei deutliche Gruppenunterschiede ab, wobei das Selbstbild des Zahnarztes relativ übereinstimmend mit der Fremdeinschätzung der entsprechenden Helferin war. Regelmäßige Teamsitzungen veranstalteten aus Sicht der Helferinnen nur 20% der Vergleichsgruppe, jedoch 84% der Versuchsgruppe. Positiv zu nennen und ein sehr schöner Aspekt dieser Studie waren die Führungsstilbewertungen.
Generell kann für alle befragten Praxen ein teamorientierter Führungsstil festgehalten werden. Dies wurde von den Zahnärzten, wie auch von den jeweiligen Helferinnen, über beide Fragebogenauswertungen so bestätigt und spiegelt sich auch in den sehr positiven Aussagen zum Betriebsklima wider. Untermauert werden diese Ergebnisse durch die hohen Bewertungen der Motivation, zum einen in der Selbsteinschätzung der Helferinnen und zum anderen durch das Fremdbild der Zahnärzte.
Die Studie zeigte auf, dass in allen untersuchten Praxen ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Teamgeist besteht. Unterschiede gab es bei der Empfindung der Helferinnen über die Verbindung und das Interesse ihres Chefs an persönlichen Belangen. Eine deutlich stärkere persönliche Bindung äußerten die Helferinnen der Versuchsgruppe.
Anerkennung und Lob erhalten die meisten Mitarbeiterinnen gruppenübergreifend von ihrem Chef. Die Teilnahme an regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen zeigt das hohe Interesse der Zahnärzteschaft, sich weiter zu entwickeln, neues Wissen anzueignen und dies in der Praxis erfolgreich umzusetzen.
Die Mitarbeiterinnen bestätigten übereinstimmend, dass sie Qualifizierungswünsche äußern können. Anhand der Ergebnisse der Befragung lässt sich festhalten, dass Managementsysteme und Konfliktpräventionsinstrumente, wie definierte Stellenbeschreibungen, Vorschlagswesen, Konfliktanalysestrategien, Kummerkasten und anderes noch nicht in allen Praxen Einzug gehalten haben.
Bei der Einrichtung solcher Qualitätssysteme besteht noch einiges an Entwicklungspotential. Ob das Führungsverhalten der Zahnärzte stärker "Consideration" (mitarbeiterorientiert) oder eher als "Initiating Structure"(aufgabenorientiert) bezeichnet werden kann, konnte mit der zugrunde liegenden Untersuchung nicht herausgefunden werden. Die Zahnärzte erhielten bei beiden Faktoren sehr gute Werte.
Die Zielsetzung der Arbeit, den Einfluss des Praxisforums Zahnärztliche Qualitätsförderung auf das Führungsverhalten der teilnehmenden Zahnärzte/innen und auch auf die Motivation des gesamten Praxisteams zu bestätigen, konnte in vollem Umfang, nach Ansicht der befragten Zahnärzte, gezeigt werden. Auch die befragten Helferinnen waren der Meinung, dass dieses Konzept der Fortbildung ein Motivationsschub und eine positive Veränderung des Führungsverhalten ihres Chefs evozierte.
Laut der Empirie der Zahnärzte hatte das Praxistraining einen enormen Einfluss auf das Engagement der Praxisinhaber selbst -Praxisroutinen zu verändernund auch auf das gesamte Team.

Abschließend kann evaluiert werden, dass mit Hilfe des gewählten Studiendesigns alle Forschungsfragen beantwortet werden konnten und die Deskription des Führungsverhaltens von Zahnärzten einen sehr positiven Eindruck hinterlässt, welches auch durch die Fremdeinschätzungen der Helferinnen bestätigt wurde.