"Und ich habe aber trotzdem das Gefühl, dass du trotzdem so was wie Gefühl damit hast."

Einführung von maschinellen Verfahren der Wurzelkanalaufbereitung in der zahnärztlichen Praxis.

Dr. Volker Wulfes


Wurzelkanalbehandlungen werden in der Praxis in hoher Frequenz, oft auch ungeplant durchgeführt. Eine Vereinfachung und Beschleunigung dieses Arbeitsganges dürfte daher für alle Zahnärzte von großer Bedeutung sein. Die Einführung eines neuen Verfahrens der Wurzelkanalaufbereitung in die zahnärztliche Praxis ist mit großem Informationsbedarf, Zeitaufwand und auch mit Risiken verbunden. Zudem stellt sich die Frage, ob dieser Arbeitsgang mit einem neuen Verfahren schneller, einfacher und zudem sicher durchgeführt werden kann. 
Drei Zahnärzte und Zahnärztinnen, Mitglieder des Goslarer Qualitätszirkels wurden mit Hilfe von narrativen Interviews zu ihren Erfahrungen und Befürchtungen in Bezug auf die maschinelle Wurzelkanal-Aufbereitung und ihre Einführung in die zahnärztliche Allgemeinpraxis befragt. Es gelang nicht, Interviews mit längeren narrativen Passagen zu generieren, dennoch ließen sich Erfahrungen, Erwartungen, Informationsquellen und Befürchtungen in der Auswertung der Interviews herausarbeiten. Die Erfahrungshorizonte der Interviewpartner waren dabei sehr unterschiedlich. 
Ziel dieser Arbeit sollte es sein, die für Zahnärzte wichtigen Kriterien bei der Einführung der Wurzelkanalbehandlung mit rotierenden Nickeltitaninstrumenten darzustellen. Für die interviewten Zahnärzte spielen dabei eine Arbeitserleichterung für die Hände, Kontrolle über den Behandlungsablauf und die Angst vor Instrumentenfraktur eine große Rolle. 
Bei der Informationsbeschaffung spielen Fachliteratur, Messebesuche, Kollegenrat, Qualitätszirkel, Vertreterbesuche und Fortbildung unterschiedlicht gewichtete Rollen. Die Entscheidung zur Einführung eines neuen Systems und die Entscheidung für ein bestimmtes System unterliegen dabei nicht eindeutig fassbaren Kriterien. 
Zudem verläuft der Entscheidungsprozess keinesfalls linear sondern abwägend, Kriterien verwerfend und wieder aufnehmend. Es kommt dabei nicht zu endgültigen Entscheidungen, sondern eher zu provisorischen, widerrufbaren. Erst tastendes Ausprobieren, das Erfahren des sinnlichen und haptischen Eindrucks machen eine definitive Entscheidung möglich, die aber im Verlauf weiterer klinischer Erfahrung durchaus wieder revidiert werden kann. Wichtiger als wissenschaftliche Daten sind eigene mit dem neuen System gemachte Erfahrungen, Gefühl, Sicherheit und persönliche Vorlieben des Zahnarztes.