Der Zahnarzt in der Karikatur

Dr. Georg Friesen

Heute gehört ein strahlendes Lächeln dazu, wenn man einen guten Eindruck hinterlassen möchte. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts war dies keineswegs üblich. Man lächelte oder lachte in der Öffentlichkeit nicht. Ein Grund, warum man sich während der vergangenen Jahrhunderte ungern beim Lachen zeigte, waren wahrscheinlich die schlechten Zähne. Zahnerkrankungen zählten zu den verbreitesten Leiden im Mittelalter.

Der Import von Zucker und Kakao als Folge der großen Entdeckerfahrten, brachte viele Menschen vorzeitig um ihre Zähne. Mona Lisa hätte beim angedeuteten Lächeln vielleicht ihre Zähne gezeigt, wenn sie ansehnlich gewesen wären. An den Königshöfen dienten Fächer nicht nur zum Fächeln, sondern auch, um marode Zähne und deren unangenehmen Geruch zu verdecken.

Da der natürliche Zahn, sowie auch der Zahnersatz, höchsten Stabilitätsansprüchen gewachsen sein muss, muss das komplizierte Werkstück in Herstellung und Materialauswahl vom Zahntechniker mit höchster Präzision gestaltet und vom Zahnarzt harmonisch und reibungslos in den lebenden Organismus eingesetzt werden. Die Ausführung dieser medizinischen und technischen Anforderungen gewährleistet, dass Zahnersatz die Leistungen der natürlichen Zähne erfüllt. 

Das heutige Angebot an Restaurationskeramiken für die Zahnheilkunde und Zahntechnik ist vielfältig. Grund dafür ist, dass für die verschiedenen Indikationen, für die unterschiedlichen Kaudruckbelastungen, für differenzierte Verarbeitungstechnologien in Labor und Praxis, und für die ästhetischen Wünsche der Patienten die passenden Werkstoffe verfügbar sein müssen. 

Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt wegen der erheblichen Kariesprävalenz und damit bedingten partiellen und kompletten Zahnlosigkeit die konservierende und prothetisch-restaurative Therapie im Vordergrund standen, hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Aufgabengebiet der Zahnmedizin zunehmend auf die Prävention und weitere Erkrankungsformen der Mundhöhle, wie Schleimhautbefunde, psychosomatische Zusammenhänge und ihre Wechselwirkungen mit anderen Körperfunktionen verlagert. Die Symptome und Erkrankungen im Bereich der Mundhöhle haben einerseits Auswirkungen auf andere Körperorgane, wie es besonders auffällig am Beispiel der Endokarditisprophylaxe und dem jetzt breit diskutierten Zusammenhang zwischen Parodontitis marginalis und der Arteriosklerose (Infarkt und Apoplex) deutlich wird. Häufig zeigen auch Allgemeinerkrankungen vielfältige orale Symptome. Diese Symptome können einerseits als Frühsymptom zur Diagnostik beitragen oder andererseits sind sie sogar als Leitsymptom für die Diagnostik dieser Erkrankung anzusehen. Auch die oralen Begleitsymptome einer Allgemeinerkrankung oder der medikamentösen Therapie, wie die Gingivahyperplasie bei der Therapie mit Calciumantagonisten, bzw. Immuntherapie, können zur Änderung der allgemeinmedizinischen Therapie führen. Umgekehrt müssen Wechselwirkungen der zahnärztlichen Therapien, zum Beispiel auf Marcumar oder Hypertonie, auch diagnostisch und therapeutisch vom Zahnarzt berücksichtigt und kontrolliert werden. 

Die Zahnmedizin ist demzufolge als Fachspezialist für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde analog den übrigen Teilgebieten der Medizin anzusehen und muss in das medizinische Versorgungskonzept der Bevölkerung integriert bleiben. In diesem Sinne muss auch die Verordnung von über die lokale Therapie hinausgehenden medizinischen Maßnahmen in Diagnostik und Therapie, wie Krankengymnastik, myofunktionelle Übungsbehandlungen, Sprachtherapie, in der Verordnungskompetenz auch der Zahnmedizin stehen.

Die Interaktion zwischen Medizin und Zahnmedizin wird in der Zukunft sicherlich noch weiter zunehmen und von den zahnmedizinischen Fachgesellschaften intensiv unterstützt und gefördert. Dies spiegeln auch aktuelle Forschungsergebnisse wieder, die die Zusammenhänge zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Apoplex, Myokardinfarkt), Pneumonie und Diabetes, sowie Frühgeburten und Parodontalerkrankungen belegen. Ähnliche Zusammenhänge bestehen insbesondere zwischen Kopf- und Gesichtsschmerz, sowie migräneartigen Schmerzen, Tinnitus und orthopädischen Fragen der Halswirbelsäulen - (HWS) - Probleme oder Endoprotheseninfektion. Die funktionellen Störungen des stomatognathen Systems werden oft falsch auf Kiefergelenkschmerzen reduziert, denn sie stehen über neuromuskuläre Regelkreise in direkter Interaktion zur übrigen Skelettmuskulatur und stellen ein wichtiges differentialdiagnostisches Problem auch zu den vielfältigen somatoformen Schmerzen, die in vielfältigen Formen als chronische Gesichtsschmerzen auftreten. Auch in der Therapie der Tiefschlaf- und Apnoephasen-Störungen ist die Interaktion zwischen Medizin und Zahnmedizin deutlich. 

Ein weiteres wichtiges Feld stellt die Frage der Bioverträglichkeit, lokalen und systematischen Allergien, sowie deren Diagnostik und Therapie für Mundschleimhautveränderungen dar. Gerade die Erkrankungen der Mundschleimhaut und der schmerzhaften Funktionsstörungen stellen sowohl diagnostisch als auch therapeutisch ein vielfältiges Wechselfeld zwischen Medizin und Zahnmedizin dar. Daher muss sowohl in der Ausbildung, als auch in der täglichen Arbeit für die Patienten, sowie der sozialpraktischen und sozialrechtlichen Einbindung, die Zahnmedizin als ein Fachgebiet der Medizin angesehen und weiterentwickelt werden. Der technologische Fortschritt wird die Zahnheilkunde noch anspruchsvoller machen und an den Zahnarzt noch höhere Anforderungen stellen. Eine Begrenzung der Zahnmedizin über eine in der Medizin sonst übliche ärztliche Fachgebietsbegrenzung hinaus ist nicht wissenschaftlich begründet und sachlich nicht gerechtfertigt.

Und so wie der Zahnarzt sich auf seinen Erfolgen nicht ausruhen wird (Karikatur vom Olaf Leitinger, München, 2000), wird auch die Karikatur diese Profession aufmerksam und unermüdlich in der zukünftigen Entwicklung begleiten und weiter widerspiegeln und somit zur Menschenverständigung beitragen. Quelle: O. Leitinger,2000, S.1. Karikaturen greifen schärfer und überspitzter als andere Medien, Vorurteile, Stereotypen und Feindbilder auf, die oft schon lange bestehen und nun angesichts tagespolitischer Ereignisse in einen neuen Zusammenhang gestellt werden. Karikaturen werden so zu historischen Zeitdokumenten. Die ausgewählten Karikaturen reagieren in vielfältiger Weise auf die Professionsentwicklung. Darüber hinaus beleuchten sie den Alltag des Zahnarztes und vermitteln seine Stellung innerhalb der Ärzteschaft und außerhalb des Berufsstandes. 

Karikaturen sind Zeichnungen mit besonderer, meist zugespitzter Aussagekraft. Sie leben von der vorwitzigen Übertreibung und haben oft einen kritisch - idealistischen Anspruch. Als Ausdruck der freien schöpferischen Gestaltung fallen sie unter den Schutzbereich der Kunstfreiheit. Im Artikel 5 des Grundgesetzes heißt es: "Kunst und Wissenschaft... sind frei." Dies ist eine solide Grundlage für die Zahnmedizin und die Karikatur den kritischen Diskurs auf hohem intellektuelen Niveau weiter erfolgreich fortzuführen.